„Für uns dagegen bedeutet das theologische Studium nicht eine Entdeckungsfahrt in unerforschte Weiten. Wir sind auf einen bestimmten Standort gesetzt, der uns ohne unser Zutun gegeben worden ist, weil wir Glieder einer geformten, bestimmten religiösen Gemeinschaft sind. Wir leben in der Kirche, von der Kirche und für die Kirche. In der Kirche, durch die Kirche und für die Kirche studieren wir Theologie, und ihre Botschaft an uns lautet, daß Gott sich dadurch offenbart, daß er Menschen zu sich beruft. Darum sind in der Tat Menschen mit Gottesbewußtsein, mit Pflichtbewußtsein, mit Sendungsbewußtsein, Menschen, die mit eigenem, zum Dienst bereitem Willen begnadet waren, das Objekt der christlichen Theologie. Weil es solche Menschen gab und damit es solche Menschen gebe, deshalb und dazu ist der Christus da. Diese Theologie bleibt auch für den, der die Frage offen läßt, ob sie wirklich Theologie sei, ein spannendes Studium, an das er einen tüchtigen Fleiß wenden darf. Wenn wir unsere Beobachtungen dorthin richten, wo aus einer Gottesgewißheit heraus gedacht und gehandelt wird, beschäftigen wir uns mit dem, was in der Geschichte wirksam ist, mit dem Menschlichsten in ihr.“

– Adolf Schlatter –